CRC-Herbstrallye: Back to normal

von CARL CHRISTIAN JANCKE, FOTOS VIVIAN J. RHEINHEIMER

Berlin, 20.10.2021. CRC (Classic Rallye Club) steht etwas hochtrabend für ein paar Dutzend Hauptstädter. Manche haben auch viele automobile Klassiker in der Garage stehen. Jedenfalls befährt man gemeinsam gerne die Straßen des Umlandes nach festen Regularien, um auch die gemeinsame Leidenschaft und sich selbst zu feiern. Das war nach einer neuerlich ausgefallenen Sommersaison im kühlen Oktober nun endlich wieder möglich.

Chrysler Kombi

Auch hier offenbart sich die Szene als klassenlose Gesellschaft. Der Wert, die Größe, die Marke des klassischen Fahrzeugs ist egal. Hier weicht das Vorurteil der Sympathie auch für das früher verpönte spoilerbewehrte und tiefer gelegte Exemplar der gepflegten Kleinbürgerlichkeit. Automobiles Kulturgut bleibt automobiles Kulturgut.

Und Spass machen die alten Hobel wie hier der Opel Ascona Sport der Besatzung allemal.
Selbst ehemals verpönte Gebrauchtwagen wie dieser im dezenten British Racing Green gehaltene VW Golf II im gepflegten Zustand werden von vielen gerne gesehen. Schließlich können sich viele der mittlerweile älteren Semester gut erinnern, wie sie am Steuer dieses immerhin mit 90 PS nicht untermotorisierten Exemplars früher unterwegs waren.
Aber man ist ja nicht nur zum Vergnügen hier. Hannelore Wiltschinsky, die Fahrtleiterin, hat die Strecke mit zahlreichen Wertungsprüfungen gespickt. Fahrer und Beifahrer mussten mit ein, zwei, drei oder mehr Stoppuhren hantieren, um auf die Sekunde genau die diversen Lichtschranken zu passieren oder nicht weniger genau präzise über auf der Straße liegende Gummischläuche zu rollen. Und manche sonst als zivil auftretende Zeitgenossen Hobby-Rallyefahrer können da ganz schön verbissen werden.
Hannelore Wiltschinsky

Hannelore kann darüber nur lachen. Sie hat die ganze Ausfahrt akribisch vorbereitet und erweist sich als Trüffelschwein. Wo immer auf der norddeutschen Tiefebene und schnurgeraden Straßen eine Kurve in traumhafter Landschaft zu finden ist, hat sie sie schon im Peugeot SUV entdeckt. Zielwasser gibt es dann in Form eines ordentlichen Aperol Spritz. Verdient.

Dass Porsche mal Autos mit 75 oder 90 PS gebaut hat, ist weithin vergessen. Die wogen allerdings wohl nicht soviel wie das Akku-Pack des Taycan.

Zur Vielfalt der beteiligten Fahrzeuge gehörte auch dieser seltene VW T1, von denen die meisten wahrscheinlich vor Jahrzehnten den frühen Baustellentod starben.

Sportliche Ikonen wie dieser Audi Ur-Quattro, die den Premium-Anspruch der Marke begründet haben, konnten natürlich auch ihren Allrad-Vorteil in Vortrieb umsetzen.

Der Kenner erkennt die Mecklenburger Schweiz als Tatort. Da gibt es zwar kein Matterhorn aber ordentliche Hügel und Sowohl-Als-auch Kurven. Sowohl links hoch also auch rechts runter. Und die vom Warschauer Pakt velegten Panzerplatten. Und Kopfsteinpflaster, das wohl schon die Weimarer Republik überlebt haben dürfte. Und Kilometerlang.

Manch einem Liebhaber trieb das nicht nur die Zornesröte ins Gesicht, sondern die blanke Angst um Fahrwerk und Karosse. Da verschmerzt man schon eher den Regen.

Deshalb lassen Klassikerfreunde ihre Schätze auch auf dem Parkplatz von Gut Ulrichshusen ungern allein. Statt sich auf die Ledersofas in der Hotelbar zurückzuziehen, gibt es nach dem letzten Schlüsseldrehen Wodka und Ramazotti.

Auf dem Foto sind übrigens die Offen-Fahrer gegenüber den geschlossenen an der Cordhose (Gruß an Christian Wolter) und der Kopfbedeckung zu erkennen. Auf die CRC-Frühlingsrallye 2022!

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