Don´t call it Auto-Gipfel – Realität und Wahnsinn, wenn das ZK tagt

von CHRISTIAN NIKOLAI

In den ersten Tagen des Septembers 2020 überschlugen sich die Meldungen zum Auto-Gipfel der Bundesregierung, zu dem von der Kanzlerin, neben „ […] den Ministerpräsidenten von Bayern, Markus Söder (CSU), und Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) auch Vertreter der Autobranche und Gewerkschaften […] “ (Zitat ndr.de vom 09.09.2020) geladen waren.

Wird man bei dieser – nicht willkürlichen – Aufzählung als Leser nicht irgendwie misstrauisch? Mir geht´s jedenfalls so! 

Halten wir mal fest: Die deutsche Automobilindustrie steckt in ihrer größten Krise seit der Bombardierung Deutschlands durch die Alliierten, ursprünglich ausgelöst durch Software-Schummeleien bei der Abgasreinigung ihrer Produkte, getrieben durch gutmeinende, aber ideenlose Klimaaktivisten angeführt von einem Mädchen im Friesennerz, das Messer an der Kehle in Form einer globalen Pandemie und in Rekordzeit auf die Kniee gezwungen durch den kometenhaften Aufstieg eines Elektroauto-Bastlers aus Palo Alto, der einen Bruchteil der Stückzahl eines Giganten wie der Daimler AG baut und trotzdem einen Börsenwert erreicht hat wie fast alle, deutschen Autobauer in Summe. Soweit, so gut und bekannt, wie schockierend. 

Wäre diese Situation in den Siebzigerjahren unter Helmut Schmidt eingetreten, hätte er eine tagelange Tingel-Tour durch alle Werke der Branche gemacht und den Leuten per Megafon zugerufen: „Wir lassen Euch nicht hängen, solange der Lotse an Bord ist und die Klippen umschifft!“ Danach hätte er gemeinsam mit dem sowieso ständig anwesenden Egon Bahr und dem Wirtschaftsminister Hans Fridrichs die Vorstände der Autohersteller sowie die Gewerkschaftsbosse nach Bonn eingeladen, um mit ihnen in nächtelangen Verhandlungen wirtschaftlich sowie sozial vertretbare Lösungen zu finden. Am nächste Tag wäre dann die IAA vorgezogen worden, um mit dem neuen VW Golf und dem zwei Jahre später erscheinenden Mercedes-Benz W123 der Welt zu zeigen, wer beim Autobauen die Hosen anhat. Zack. Fertig!

Helmut Schmidt ist leider tot und die Siebziger längst vorbei, weshalb eine Kanzlerin Merkel heute die Ministerpräsidenten „und ein paar andere“ nach Berlin einlädt und bereits im Vorfeld verlauten lässt, dass der Gipfel wohl eher ohne konkrete Ergebnisse ausgehen würde. Das tote Pferd Elektromobilität wird als Quasi-Ergebnis des Gipfels weiter gefüttert und der Verbrenner für tot erklärt. Außer Willens- uns Absichtserklärungen ist eigentlich nichts Neues zutage gefördert worden – außer, dass man die gebeutelten, mittelständischen Zulieferer bei der staatlich verordneten Transformation hin zur Elektromobilität stärker unterstützen will. …äh sollte. Ach, egal! Natürlich gibt es auch keine Kaufprämien für den dreckigen Verbrenner – igitt!

Außerdem wurde ein fast vergessenes Schätzchen wieder aus der Mottenkiste gezaubert: Das autonome Fahren, das schon 2022 auf öffentlichen Straßen stattfinden soll, damit der doofe Endverbraucher endlich das „rollende Kino oder Büro“ hat, dessen bisheriges Fehlen angesichts der globalen Situation aktuell sein größtes Problem sein dürfte. „Bis später, Schatz, jetzt wo ich endlich Zeit habe, weil ich meine Firma wegen Corona geschlossen und 200 Leute auf die Straße gesetzt habe, fahre ich gleich mal gemütlich autonom zur Arbeitsagentur und gucke mir auf dem Weg den neuen Bond an…!“ könnte ein Realität gewordener Satz sein, auf den wir uns jetzt schon freuen, wie Bolle! Praktischerweise kann dann auch der Staat im Zweifel das Steuer übernehmen, wenn der Bürger mal ein „kleines Fahrfehlerchen“ macht, oder ihn auch direkt zum Zoll fahren lassen, wenn er mal aus Versehen einen offenen Deckel bei einem der zahlreichen, staatlichen Zahlungsempfänger hat.

Statt in eigenständige, exporttaugliche und clevere „Made in Germany“ Forschung und Entwicklung zu investieren, werden Milliarden-Budgets bereitgestellt, um dem Mainstream namens Tesla zu folgen. Keine innovativen, eigenen Ideen werden und wurden je geboren, wenn die deutsche Automobilindustrie sich weiter wie ein Zuchtbulle von GroKo durch die Arena führen lässt. Angela Merkel sollte das besser, als jeder andere wissen, schließlich hat sie einen Großteil ihres Lebens in einer sozialistischen Planwirtschaft verbracht. 

Einen winzigen Lichtblick sehe ich allerdings:

Ganz am Ende der meisten Artikel zum Auto-Gipfel konnte man im Nebensatz des Schlusssatzes lesen, dass die Automobilindustrie den Auftrag von der Bundesregierung erhalten hat, bis Ende des Jahres 2020 realistische Konzepte für E-Fuels und Bio-Diesel Antriebe zu präsentieren! 

Was Umsetzungsgeschwindigkeit, Energieaufwand, Ökobilanz und globale Anwendbarkeit angeht, gibt es hierzu derzeit wenig bis keine Alternativen in der flächendeckenden Anwendung, denn Klima findet nicht nur in Berlin oder Köln statt, sondern tatsächlich auch in Nordafrika, Südostasien und vielen, anderen Regionen dieser Erde, in denen es garantiert keine Elektrosäulen außerhalb des jeweiligen Regierungsviertels geben wird. War da vielleicht doch noch jemand nach Merkels Begrüßungsansprache wach, der weiter, als bis zum Rednerpult denken konnte?

Vielleicht dämmert es auch dem einen oder anderen Regierungsmitglied, dass jetzt langsam geliefert werden muss. Wenn man nämlich die paar importierten Elektroautos, die nur durch teure Subventionen an den Mann/die Frau zu kriegen waren noch nicht einmal vernünftig geladen bekommt, während der entstehende Elektroschrott auf afrikanischen Müllkippen zum Recyclen verbrannt wird und der Fahr-Strom nicht aus dem Windrad an der Nordsee, sondern dem Atomkraftwerk in Polen kommt, sollte langsam auch dem letzten Hinterbänkler im Bundestag ein Licht  aufgehen, das ihn daran erinnert, dass ihn eine Wahl dorthin befördert hat, wo er jetzt sitzt. Wie in der Schule gilt auch im Bundestag: Wer Mist baut, fliegt raus!

Hoffen wir also, dass in Berlin nicht alle so balla-balla sind, wie wir heute glauben, die FfF-Kids irgendwann doch mal wieder Bock auf einen Schulabschluss haben und endlich mal die völlig falsche „Tank-to-Wheel“ Betrachtung der von Automobilität verursachten Emissionen durch eine Betrachtungsweise inkl. Produktion, Lagerung, Transport und Entsorgung – also „Beyond-Production-to-Wheel“ ersetzt wird und Einzug in die Talk-Runden unserer Abendunterhaltung findet. Um diese Sendezeit noch anwesende Grundschüler werden dann recht schnell mit dem 10-Finger-Prinzip ihrem Tesla-vernarrten Vater vorrechnen können, dass er die Umweltsau ist – und nicht der Nachbar gegenüber, der seinen alten Diesel knallhart weitergefahren ist. …der kann nämlich irgendwann mal klimaneutralen Bio-Diesel tanken!

Foto-Quelle “AvD-Rallye rund um Berlin

Christian Nikolai war über 20 Jahre in der Zentrale der Daimler AG und bei Mercedes-Benz Händlern in verschiedenen Funktionen im Marketing, Vertrieb sowie mit dem Aufbau von ClassicPartner Sparten beschäftigt. Heute ist Christian als freiberuflicher Unternehmensberater mit seiner Firma RaumLenker MotorConsult tätig, die sich unter dem Leitbild „Zukunft braucht Herkunft“  auf die Entwicklung von Kommunikations- und Vertriebskonzepten für die Automobilindustrie spezialisiert hat. Er schreibt für Online-Formate wie Drehmoment regelmäßig Artikel zu unterschiedlichen Automotive-Themen.

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