Nachhaltigkeit – Ein Wort wird zum Missbrauchsopfer

von CHRISTIAN NIKOLAI, Raumlenker

Ganz egal, mit welcher Werbung man dieser Tage als Verbraucher auch konfrontiert wird – kaum ein Produkt wird heute noch angeboten, das nicht „nachhaltig“ ist. Nachhaltige Tierhaltung, nachhaltige Produktion hier, nachhaltige Rohstoffgewinnung und Paketauslieferung dort. Besonders nachhaltig sind natürlich Elektro-Autos, wird behauptet. .

Keiner fragt, jeder konsumiert mit einem beruhigten Gewissen. Das war bereits in den Siebzigern so, als der „Blaue Umweltengel“ eingeführt wurde und es plötzlich auch nicht mehr en vogue war, Kinderbettchen mit Xyla-Brillant oder Bleimenninge anzustreichen. Schon damals wurde der Verbraucher auf eigenen Wunsch übers Ohr gehauen, denn der blaue Umwelt-Engel wurde – und wird bis heute – nur für üblicherweise umweltschädliche Industrieprodukte vergeben, die im Vergleich zu Referenzprodukten weniger umweltschädlich sind, nicht allerdings für Naturprodukte. …seltsam, vor allem, wenn wirklich nachhaltige Konkurrenzprodukte im Regal danebenstehen und dort auch stehen bleiben, weil das jahrelang bekannte, beruhigende Label fehlt.

Zurück ins Heute. So, wie einst der Blaue Umweltengel als Label eigentlich nicht mehr als ein Marketing-Tool sein konnte, wird heute der Begriff der Nachhaltigkeit gerne zur Verkaufsförderung missbraucht, weil weite Teile der „Biomasse mit WLAN-Anschluss“ – also die Endverbraucher – es so wollen. Ein Steak aus nachhaltiger Tierhaltung ist nämlich nicht automatisch nachhaltig, nur weil unbehandeltes Futter in der Aufzucht verwendet wurde und das Rind auf der Homepage des Schlachters glücklich wiederkäuend auf einer grünen Wiese steht. 

Selbst wenn alle umweltbelastenden Kriterien ausgeschaltet sein sollten: Sobald die eigens aus osteuropäischen EU-Ländern angereisten, scheinselbständigen Lolek und Bolek, die in Containern auf der westfälischen Wiese untergebrachten werden, für ein paar Euro die Steaks fachmännisch aus dem Rind herauslösen, ist es vorbei mit der Nachhaltigkeit! Die soziale Komponente vereitelt dies.

Das Nachhaltigkeitsprinzip ruht nämlich auf drei Säulen, und muss eine ausgewogene Schnittmenge von sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten bilden. Kannibalisiert einer der drei Aspekt die anderen, kann das Produkt oder die Dienstleistung nicht mehr nachhaltig sein. Basta!

Wirklich auf die Spitze getrieben hat es die einst stolze und innovative, Deutsche Automobilindustrie. Während E-Fuels, Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Jatrophaöl und die Weiterentwicklung des inzwischen mehr als ausgereiften Dieselmotors keinerlei Bedeutung mehr zu haben scheinen, wird ein elektrifizierter Rohrkrepierer nach dem anderen in die Showrooms geschoben. 

Ganz egal, ob die von einem Krupps-Drei-Mix in verschiedenen Größen angetriebenen Mercedes EQC, Audi E-Tron oder Porsche Taycan: Tonnenschwere PS… äh… ich korrigiere: KW/h-Monster mit Elektromotor für die Langstrecke werden als nachhaltig beworben bis zum Geht-nicht-mehr, während Kleinwagen mit hoch-effizienten und sauberen Ottomotoren aufgrund  ihrer in der Tank/Charge-to-Wheel Betrachtung ungünstigen CO2-Bilanz schlechter wegkommen. Stattdessen muss hier Production-to-Wheel in Betracht gezogen werden, was aber aus verständlichen, politischen Gründen nicht passiert. Dies würde nämlich die Ökobilanz in einem anderen Licht erscheinen lassen…

Mir kommt das vor, wie eine staatlich verordnete „Massen-Orgie für die Züchtigkeit mit jungfräulichen Nymphomaninnen“, denn genau hier liegt der Hund begraben: Strom kommt nicht nur aus der Steckdose, sondern muss auch irgendwo irgendwie produziert werden. Zieht man diesen Aspekt hinzu – konkret importierten Strom aus Polen oder Frankreich – sieht die Welt schon ganz anders aus. Addiert man zu den CO2-Emissionen und weiteren Umweltbelastungen aus der Stromproduktion noch die Werte aus der Rohstoffgewinnung sowie Produktion der benötigten Akkus hinzu, stellt man recht schnell fest, dass das Elektro-Auto streng genommen die viel zitierte Umweltsau ist, als das es den Verbrenner eigentlich erscheinen lassen sollte.

Inzwischen dämmert dies zwar der Automobilindustrie, was aber nicht heißen soll, dass die nächste, angepeilte alternative Energie als letzte Kugel im Magazin in Form von „grünem Wasserstoff“ einen Deut besser wäre. 

Mit Wasserstoff – den man im Übrigen nicht grün produzieren kann – geht es nämlich dann erst richtig rund, was die gezielte Zerstörung unseres Planeten durch die Abkehr von der Nachhaltigkeit angeht: Dass der Prozess der Erzeugung im Vergleich zu jedem anderen Brennstoff extrem energieaufwändig, teuer und umweltbelastend ist, lässt heute eigentlich nur noch Grundschüler staunen. Weder in der Produktion noch beim Transport oder der Lagerung hat Wasserstoff irgendeinen Vorteil gegenüber anderen Energieträgern. 

Ganz im Gegenteil: Da Wasserstoff als leichtestes und flüchtigstes Element nur in gebundener Form und nicht „frei“ auf diesem Planeten vorkommt, diffundiert er zunächst durch fast jedes Material und macht sich sofort – und das schneller als jedes andere Gas – auf den Weg nach oben. 

„Nach oben“ heißt konkret in die Ozonschicht, wo Wasserstoff seinen Lieblingspartner O3 (Ozon) vorfindet, um sich mit ihm zu H20 verbinden, also zu Wasser! Klingt harmlos, aber die Ozonschicht baut sich so als globaler Starkregen mit Unwettern biblischen Ausmaßes selbst ab und gibt bei exzessiver Nutzung der Erde den Rest, die dabei umspannt von kilometerbreiten Kondensstreifen der ebenfalls geplanten Wasserstoffflugzeuge wenigstens in wolkiger Schönheit zugrunde geht. Da, wo die Sonne dann noch scheint, wird die UV-Strahlung ihr Übriges tun. FCKW war dagegen Kindergeburtstag!

Bemerkenswert, da dies eigentlich seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt ist und trotzdem durchgezogen wird. Das Nachhaltigkeitsprinzip ist übrigens noch älter und wurde von Hans Carl von Carlowitz 1713 in seinem Werk Silvicultura oeconomica erstmalig im Rahmen von nachhaltiger Forstwirtschaft erwähnt die das Volk vom gnadenlosen Abholzen des deutschen Waldes abhalten sollte.

Hoffen wir zunächst auf Schwellen- und Entwicklungsländer, in denen all diese Technologien aus Kostengründen, nicht umsetzbaren Lagerungskonzepten und aufgrund der beispiellosen Wartungsintensität niemals Fuß fassen können. Letztendlich werden diese offensichtlich nachhaltig lebenden Länder uns mutmaßlich den urbanen Hintern retten, indem sie an diesem Wahnsinn, der in den hysterisch nach „Zero-Emission“ gierenden Städten der westlichen Welt geboren wurde und immer mehr zur Ersatzreligion mutiert, nicht teilnehmen. 

Hoffen wir ferner, dass die westliche Welt daraus lernt und über echte Alternativen nachdenkt, ohne dass jede neue, grün angepinselte Sau, die durchs Dorf getrieben wird, direkt für alternativlos und nachhaltig erklärt wird.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

Blog at WordPress.com.

Up ↑

%d bloggers like this: