Das Ende des Motorsports – wie wir ihn kennen?

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Gestern hat RTL verkündet dass es die Formel 1 – Übertragungsrechte nicht mehr kauft, weil sie dem Sender zu teuer sind. BMW ist schon lange nicht mehr in der Formel 1 präsent, Mercedes-Benz und jetzt auch Audi sind aus der DTM ausgestiegen. Williams soll zumindest in Teilen verkauft werden und bei den anderen Teams sieht es auch nicht gut aus. Und nun?

Der Grund für die Krise des wahren Motorsports ist die Tatsache, dass die Hersteller und ihre Marketing-Abteilungen den Glauben an die Vision des Automobils verloren haben: Selbstbestimmte Fortbewegung. Die geht bis auf weiteres nur mit einem Verbrennungsmotor, zu fossilen Brennstoffen gibt es einstweilen keine tragfähige Alternative.

Mobilität ist nur ein anderes Wort für Dynamik und die Königsdisziplin dieser Dynamik sind schon immer Rennen und Wettbewerb gewesen. Das war schon bei den Pferden so. Man versucht es jetzt mit der Formel E. So hießen in den Siebziger Jahren die Sparmodelle aus dem Volkswagen – Konzern. Die waren Flops und wurden bald wieder aus dem Programm genommen. In Corona-Zeiten findet die Serie am Computer statt und nicht auf den dafür aufgebauten “Stadtkursen”. Und genau da gehören sie hin. Ins Reich der Simulation.

Heute beweisen die realen Rennen nur eins: Die schweren Akkus, die allenfalls einen tiefen Schwerpunkt erzeugen, halten nicht mal für eine Renndistanz. Deshalb müssen sie während des Rennens gegen neu aufgeladene ersetzt werden. Das karikiert die vermeintliche CO²-Einsparung, weil schon die Herstellung der Akkus jeden Benzinmotor überlegen macht. Und hier gibt es gleich zwei davon. Pro Renndistanz.

Mir wird Heiko Wasser fehlen, der Christian Danner dasselbe nicht reichen konnte. Der auch, weil Danner einer der sachkundigsten Kommentatoren war, den das deutsche Fernsehen je hatte, auch wenn ihm der Esprit eines Marcel Reif fehlte. Er sagte oft genug etwas, was ich nicht wusste oder bedacht hätte. Kai Ebel, der deutlich machte, das Formel 1 auch durchaus unterklassenfähig war. Und der beinharte Niki Lauda fehlt mir sowieso.

Der Erfolg des Motorsports in den vergangenen 30 Jahren ist vor allem mit einem Mann verbunden. Michael Schumacher, dessen Siegeswille unbändig zu sein schien. Vielleicht würde er heute mit Superhirn Ross Brawn die Formel 1 retten. Oder wenigstens Ferrari. Was für ein schöner Traum.

Diejenigen, die darüber zu entscheiden haben, sollte sich einer Tatsache vergegenwärtigen: “Wer den Zeitgeist heiratet, wird schnell zum Witwer.

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