Fridays for Hubraum: in drei Tagen 270.000 Mitglieder

Von CARL CHRISTIAN JANCKE

Niemand ist gegen Umweltschutz sondern will seinen Nachfahren ein intaktes Ökosystem und eine schöne Erde hinterlassen. Der Liebhaber klassischer Fahrzeuge möchte sogar heute nicht durch Mondlandschaften streifen, sondern mit seiner Leidenschaft blühende Landschaften genießen.

Und auch der Besitzer klassischer Diesel hat seinen Wagen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen gekauft. Seit Jahrzehnten wurde propagiert, aufgrund des niedrigeren Verbrauchs und damit verbundenen geringen CO²-Emissionen sei auch schon sein EURO 4 Fahrzeug besonders umweltfreundlich.

Doch seit Wochen werden die Automobilisten mit einer Kampagne überschüttet, die ihnen suggerieren soll, wenn sie nicht morgen ein Elektro-Auto kaufen und ihr bis vor kurzem noch gefeiertes Abgaswunder verschrotten (oder wenigstens nach Polen verkaufen), ginge die Welt unter. Nicht 2050, nicht 2030, sondern sofort.

Derweil ging die Jugend auf die Straße und streikte für mehr Klimaschutz. Die ganze Jugend? Nicht ganz. Denn in Deutschland gibt es 8 Millionen Schüler, diejenigen die meinten, Schule schwänzen sei streiken, dürften sich in der Minderheit befinden.

Und die Geschwindigkeit, mit der ein über 50 Mrd. Euro teures “Klimapaket” zusammengeschustert wurde, nur damit die Bundeskanzlerin beim UN-Klima-Gipfel nicht mit leeren Händen dasteht, geschweige denn überhaupt reden durfte, war im wahrsten Sinne des Wortes klimatechnisch atemberaubend. Denn anders als die vom UN Generalsekretär gesetzte Rednerin Greta Thunberg durften Regierungschefs nur reden, wenn sie nach Ansicht der Vereinten Nationen brav ihre Klimahausaufgaben gemacht haben.

Nun reicht es. Immer mehr Menschen, die gerne Auto fahren und/oder beruflich darauf angewiesen sind, haben die Schnauze voll. Davon, dass sie und ihre Argumente in dieser Öffentlichkeit nicht mehr gehört werden. Davon, dass durch diesen Umweltzirkus der Wert ihres Autos in Mitleidenschaft gezogen wird. Und davon, dass von diesem Chaos Hunderttausende Jobs in Gefahr sind. Die von denjenigen, die bei den Zulieferern und Herstellern diese Autos bauen. Diejenigen, die sie verkaufen, warten und reparieren. Diejenigen, die etwa als Taxi-, Bus- und LKW-fahrer damit arbeiten. Diejenigen, die darauf angewiesen sind, um zum Kunden oder zur Arbeit zu fahren. Und natürlich auch diejenigen, die damit ihrem Hobby nachgehen und etwa zu Wandern, Skifahren oder Joggen brauchen oder in den Urlaub fahren. Es spielt in diesem Moment überhaupt keine Rolle, ob und wieviel Feinstaub, CO² und NOx sie dabei produzieren. Sie alle sind bereit, diese Emissionen zu minimieren, soweit das Sinn macht.

Aber sie fühlen sich langsam als Opfer einer ökologischen Treibjagd. Mal trifft es den Pendler pauschal, mal den Diesel und mal den SUV. Die Umweltfreunde kennen nur lohnende Ziele. Als ich vor ungefähr einer halben Stunde begann, hatten sich 250.000  Vernünftigen dieser Gesellschaft im Silversurfer-Netzwerk Facebook in der Gruppe “Fridays for Hubraum” zusammengefunden. Jetzt hat die am Montag gegründete Gruppe schon 262.000 Mitglieder.

In der Gruppenbeschreibung steht: “Wir sind mehr”. Das stimmt nicht. Wir WERDEN IMMMER mehr.

Gestern nachmittag berichtete “RND”erstmals über das Phänomen. Und berichtete gleich, man habe einige geschmacklose Posts über “Greta” gefunden. Und natürlich auch “rechtspopulistische”, so dass man irgendwue auch noch von der AfD fabulieren.

Und wißt Ihr was? Das ist völlig egal. Unter dieser Menge Menschen werden auch unappetitliche Figuren sein, Menschen mit einer Überzeugung, die ich nicht teile, Populisten und solche, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Aber sie sind auch in dieser Gruppe in der Minderheit. Wahrscheinlich ist ihr Anteil nicht kleiner oder größer als der derjenigen, in der Gesamtbevölkerung. Und vor Eintritt in die Gruppe gibt es keinen Gesinnungstest.

Die meisten der Liebhaber klassischer Verbrennungsmotoren sind ganz normale Menschen, die sicher Innovationen nicht abgeneigt sind. Aber sie wollen ihr Leben so weiter leben, wie sie es wollen und nicht wie diejenigen, die hinter Greta Thunberg stehen. Denn individuelle Mobilität ist ein Stück Freiheit. Weil man selbst bestimmt, wie schnell man wohin fährt oder auch nur fahren will. Und das mit einem Verbrennungsmotor.

Wir kommen in den Umfragen nicht vor und unter den maximal 2.000  Menschen, die von den Demoskopen repräsentativ ausgewählt werden, sind wir wohl nicht zu finden. Wir sind ja auch gerade im Auto unterwegs, wenn die anrufen.

Ich fürchte, die Mitglieder dieser Gruppe wollen einen fairen Kompromiss. Sie wollen nicht, dass ein kleiner, profitabler Abmahnverein mt Namen “Deutsche Umwelthilfe” in ihr Leben eingreift und dass in der öffentlichen Diskussion grüne Themen alles dominieren. Das ist ein Weckruf. Wir sind auch noch hier.

Es geht um eine faire, sachliche Diskussion und einen anständigen Interessenausgleich. Mehr nicht.

 

 

 

 

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