Hoch? Runter? Oder doch lieber wieder hoch.

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Die Preise für klassische Automobile bewegen sich wie die Autos auf einer Hebebühne.  Ob es auf oder ab geht, das verrät nur die unsichtbare Hand des Marktes (Adam Smith). Derzeit gilt wohl weiterhin: sowohl als auch.

Mittlerweile ist im gut sortierten Fahrzeughandel wieder Pragmatismus eingekehrt. Niemand erwartet mehr, dass einem jedes schlecht restaurierte Exemplar zum Höchstpreis aus den Händen gerissen wird. Gute Autos erzielen weiterhin gute Preise, schlechte eben nicht. Und verbastelte Exemplare gar keine. Damit ist der Markt wieder da, wo er vor ein paar Jahren schon mal war.

HAGI Index April 2019

Im Vergleich zum Vormonat haben nur der Mercedes-Benz Classic Index by HAGI (Historic Autogroup International) und der HAGI Top Ex P&F Index (ohne Porsche und Ferrari) verloren. Bei klassischen Mercedes ist so ein Rückgang von mehr als acht Prozent seit Jahresbeginn zu beobachten. Da hat nur jemand etwas länger auf den Hebebühnenknopf gedrückt.  Aber erste Transaktionen aus dem Mai lassen darauf schließen, dass sich auch hier der Zickzackkurs fortsetzt.

Alle Indexbewegungen beruhen nicht auf Schätzungen oder Gutachten, sondern nur auf realen Transaktionen, die von Insidern und Händlern gemeldet werden. Auktionsergebnisse machen nur ein Drittel dieser Messungen aus. Aus einer Befragung der User von HAGI wissen wir, dass sich in diesem Marktsegment ein überwiegender Teil der Verkäufe im privaten Bereich abspielen. Auch das eine Spätwirkung des Hypes. Da hatten zu viele Gebrauchtwagenhändler das Classic Car Schild an den Container am Kiesplatz geschraubt.   

Klassische Porsche haben den Verlust auf 3.1 Prozent gegenüber dem Jahresanfang deutlich dezimiert, gegenüber dem Vormonat stiegen die Preise um 4,12 Prozent. Ferrari liegen dafür im Vergleich zum Jahresanfang knapp unter 3 Prozent.  Umgekehrt ist die Entwicklung bei klassischen Lamborghini, die im Vergleich zum Jahresanfang knapp im Plus, während im Vergleich zum Vormonat ein halber Prozent Rückgang zu verzeichnen ist.

Diese Entwicklung steht nur scheinbar im Widerspruch mit den Auktionsergebnissen der Technoclassica in Essen. RM Sothebys hatte mit dem Schwerpunkt von Fahrzeugen der achtziger und neunziger ordentliche Ergebnisse erzielt. Insbesondere Preise von um die 150.000 Euro für die verbreiterten AMG-Coupés überraschten. Damit erreichen sie knapp die Schwelle, ab der sie den Wert eines Investments. Erst bei einem Wert von 100.000 Euro reicht die mögliche Wertsteigerung nicht nur für den Unterhalt sondern auch für eine kleine Rendite.

Die stellt sich bei den meisten Fahrzeugen auch mittelfristig ein. Selbst beim Platzen einer Blase nach der Savings and Loans Krise Anfang der Neunziger Jahre mit Einbrüchen von bis zu 70 Prozent hat sich seit 1980 immer noch eine jährliche Durchschnittsrendite von mehr als 10 Prozent ergeben. Das ergab der HAGI-Back-Test.

Das klassische Automobil ist nichts für Spekulanten. Der Anleger braucht eine hohe  Expertise und wie bei den Immobilien findet sich auch nicht so schnell ein Käufer. Wer das Investment aber als langfristig sieht, kann mit einem entsprechenden Wertzuwachs rechnen. Daran ändern auch Gerüchte über das neuerliche Angebot eines Ferrari 250 GTO nichts. Dem Vernehmen nach erwartet der Anbieter einen Preis jenseits der 60 Mio Euro. Ob er den kriegt, steht in den Sternen.

 

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