Big VOLVO is controling you

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Durch den virtuellen Blätterwald rauscht die Nachricht, dass der schwedische Hersteller in chinesischem Eigentum die Höchstgeschwindigkeit seiner  Vierzylinder- SUVs und Kombis, die hauptsächlich in USA und wohl auch in China verkauft werden, auf 180 km/h begrenzen will. Dabei geht die Nachricht unter, dass die Gutmenschen aus IKEA-Land vorsichtshalber die städtische Geschwindigkeit in der Nähe von Schulen und Kitas per “autonomen Fahren” und GPS zum Heil der Kinder drosseln möchten. Und unerwähnt bleibt, dass der chinesische Staat das Fahrzeug des Dissidenten auf der Flucht vor der Zensur direkt zum Gefängnis lenken kann.

Volvo bestätigt, wovor mir graut. Es geht nicht um autonomes Fahren, bei dem so genannte Assistenzsysteme dem Fahrer in seiner Autonomie unterstützen und etwa  das Fahren im Stau kontrollieren.

Mit dem vermeintlich ehernen moralischen Ziel, Schwerverletzte und gar Todesopfer zu vermeiden, nimmt der Hersteller dem Fahrer seine Autonomie und Selbstbestimmung. Der Hersteller weiß, wohin ich fahre und ob ich vor´m Bordell oder dem Haus der  Geliebten parke oder gar die Goldbarren aus dem Schließfach hole. Die Fahrt nach Luxemburg oder Liechtenstein kann nicht nur leicht vor der Grenze gestoppt werden.  Das Auto kann gleich zum Zollhof gelenkt werden, per Elektromotor wird dem Beamten der Kofferraum geöffnet. Nur die Handschellen müssen die Zöllner dann noch selber anlegen. Es geht aber auch noch einfacher. Falschparker oder Steuersünder werden stillgelegt, bis sie ihre Strafe bargeldlos überwiesen haben. Umweltsünder brauchen sich keine Gedanken um Fahrverbote zu machen. Das Auto fährt da einfach nicht hin. Aber auch – das dürfte gerade bei den Chinesen eine Rolle spielen – die Fahrt zur ungewünschten Demonstration wird einfach unterbunden.

Das ist totale Kontrolle und das Gegenteil von Autonomie.

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Volvo galt früher als unverwüstlicher Zeitgenosse individueller Mobilität. Die kastigen Kombis zeichneten sich durch robuste Vier- und Sechszylinder Motoren aus, mit denen man sicher mehrfach die Erde umrunden konnte. Laufzeiten von einer halben Millionen Kilometer und mehr waren möglich. Das war Nachhaltigkeit.

Bevor Roger Moore James Bond wurde, hieß er in einer Fernsehserie Simon Templar. Und fuhr einen Volvo 1800.  Ein Sportcoupé, das als einer der ersten Shooting-Breaks den legendären “Schneewittchensarg” mit gläserner Heckklappe auf den Massenmarkt brachten.

Später erfand die Marke die passive Sicherheit. Seit der 144/64er Modellbaureihe verunstalteten wulstige Rammböcke (Stoßstangen) die massiven Karosserien. Eine Tante fuhr den 164 meines gestorbenen Onkels. Wenn man sich nicht anschnallte, klackte eine rote Warnlampe am Armaturenbrett. Das war Anfang der Siebziger der Inbegriff von passiver Sicherheit. Ich fand es verstörend.

Bei meinen Lehrern in den Siebzigern waren gebrauchte Volvos sehr beliebt. Ich entwarf für die Schülerzeitung eine Pseudo-Anzeige mit dem Slogan: Volvo, das Auto für Feiglinge – der Panzer im Straßenverkehr.

Übrigens ist auch die Firma Volvo vielleicht gar nicht so humanistisch und sicherheitsbewusst wie behauptet. Zum einen haben die schwach brüstigen aufgeladenen Vierzylinder alle Mühe, die Wagen überhaupt auf höhere Geschwindigkeiten zu katapultieren. Und da minimiert die potentiellen Opferzahlen der Volvofahrer, die über 180 km/h zu Tode kommen. Ob die modernen Motoren das allerdings auch solange aushalten wie die robusten Vorvorgänger, darf bezweifelt werden. Verschleiß ersetzt Hubraum. Und der wird bei gedrosselten Motoren gesenkt.

Nachdem die Schweden angekündigt haben, in Zukunft nur noch mindestens teilelektrische Autos anzubieten, kommt ein anderer Zweck ins Spiel. Auch Lexus drosselt weite Teile seiner hybriden Modellpalette, bemerken die Kollegen von Autonotizen.de. Auch das senkt die mechanische Belastung und erhöht die Lebensdauer. Da solche Autos aber noch weniger ohne komplexe Steuergeräte auskommen, entfällt auch die Notwendigkeit, diese für langgezogene Autobahnkurven und Geschwindigkeiten über 180 zu programmieren.

Die Schweden scheinen also einfach nur ehrlicher als die Japaner. Tatsächlich wollen sie sich allerdings als wahre Sicherheitsapostel und Menschenfreunde gerieren. Wenn der Schuss nicht nach hinten losgeht.

Wer trotzdem auf Schwedenstahl steht, dem empfehle ich ein eigenwilliges 262 C Coupé, an dem Bertone bewiesen hat, dass auch ihm nicht alles gelang. Oder ein XC 90  SUV der ersten Generation. Der war mit einem Yamaha  V8 lieferbar. Das wird ihn hierzulande selten machen und damit wertvoll.

Titelbild: Screenshot VOLVO. Bilder: vom Autor, car to car und andere: Vivian J. Rheinheimer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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