MOTORWORLD-Classics: Das Wunder mit der Kunstflunder!

1978 bemalte Andy Warhol einen BMW M1 Rennwagen und BMW wagte den Wahnsinn, das rasende Kunstwerk auf die 24 Stunden von Le Mans, mit dem Markus Winkelhock eine grandiose Aufholjagd startete. Warhol, Winkelhock und Le Mans, das sind gleich drei Legenden auf einmal. Die Geschichte wird erzählt von einem legendären Motorsportjournalisten, der die Geschichte auf der Berliner Motorworld-Classic erzählte. Legendär war natürlich auch der M1.

von UWE MAHLA

“Ich bin davon überzeugt, dass man Le Mans 1979 mit dem Porsche 935 gewinnen kann” – Originalton Georg Loos im Oktober 1978. Loos sollte recht bekommen, auch wenn es ihm nicht schmeckte. Denn er hatte dabei natürlich an einen seiner roten Renner gedacht und nicht an den 935 seiner ewigen Widersacher, der Kölner Kremer-Brüder. Was er damals nicht wissen konnte: Trotz der frühen Entscheidung, nach der Niederlage im Vorjahr und der Absage von Renault nicht zu starten, war die Werks-Mannschaft von Porsche mit zwei Wagen vom Typ 936 am Start, wodurch sie automatisch zum Favoriten wurde. Aber das änderte nichts an der Richtigkeit der Loos-Vorhersage. Und da war noch einer, der wie Loos dachte, aber davon später.P90120449_lowRes

War schon der prognostizierte Sieg eines Gruppe 5-Porsche eine große Sensation, so hatte ein Renner mit Gruppe 4-Technik dem noch eine weitere, kleine, gewissermaßen ein kleines Wunder, zur Seite zu stellen: Dazu muss man ein bisschen ausholen. Der französische Kunstkenner- und Händler Hervé Poulain, der schon zuvor Künstler wie Calder, Lichtenstein und Stella zum Bemalen von BMW-Rennfahrzeugen hatte bewegen können, wollte gern Le Mans mit seinem Spezi Marcel Mignon fahren.

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Saturday, July 19, 2008 German Grand Prix, Hockenheim, Germany. BMW M1 Procar. Andy Warhol. This image is copyright free for editorial use © BMW AG

Und das gelang ihm folgendermaßen: Der vom Werk eingesetzte BMW M1 in Procar-Version, der auf Poulains Vermittlung hin publicitywirksam von Andy Warhol, dem Star der Pop Art, zum gefeierten Art Car gestaltet worden war, konnte nicht als Favoriten-Killer eingestuft werden. Und dies, obwohl er über eine wesentliche Eigenschaft verfügte – über Stehvermögen. Manfred Winkelhock knallte mit der Kunst-Flunder allein 14 Stunden durch die Nacht, als gingen ihn solche Kleinigkeiten wie angeschlagene Kupplung, nachlassende Bremsen, strömender Regen, streikende Scheibenwischer und ein auf nur fünf Zylindern laufender Motor nichts an.

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Saturday, July 19, 2008 German Grand Prix, Hockenheim, Germany. BMW M1 Procar Andy Warhol. This image is copyright free for editorial use © BMW AG

Lohn der Plage für Auto, Fahrer und Mechaniker: Platz sechs im Gesamtklassement. Wohlgemerkt mit fünf Zylindern und das über zwölf der 24 Stunden. Die in meiner damaligen Reportage gewählte Formulierung „der von Warhol innerhalb von 29 Minuten angeschmiert – pardon -, angekünstelt worden war“, bei BMW nicht gerade für Begeisterung, führte aber mittelbar dazu, dass ich bald darauf mal einen M1 fahren durfte. Von da an war ich natürlich absolut begeistert. Und was mein Verständnis für die Bedeutung der Art Cars für den Rennsport und für BMW betrifft, so brauchte ich erst ein paar Jahre.

Warhol M1

Um aber auch die Geschichte vom Sieg eines Porsche 935 zu Ende zu erzählen: Wer war neben Georg Loos der zweite Mann mit der eingangs erwähnten Ahnung, Le Mans könne 1979 mit dem 935 gewonnen werden? Nikolas Kremer. Aber der Vater der Kremer-Brüder hielt auch noch an seiner Meinung fest, als schon bekannt war, dass die Werks-Porsche fahren würden.Mahla und Haug

Uwe Mahla mit Ex-Wettbewerber, EX-Mercedes-Motorsport-Chef Norbert Haug bei der Präsentation des Warhol-M1 auf der Motorworld Classics in Berlin. Das Auto dürfte übrigens eins der teuersten der Welt sein, wenn es BMW jemals veräußern würde.  Der bisher teuerste Wagen, ein Ferrari 250 GTO liegt bei rund 50 Millionen Euro. Ohne Warhol.

Fotocredits: BMW Classic, Motorworld Classics, Sven Wedemeyer

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