HAGI-Index: Ein 49 Millionen Ferrari GTO macht noch keinen Frühling

Von CARL CHRISTIAN JANCKE

Erstmals seit 2014 sind die Auktionsergebnisse von Monterey und Pebble Beach nicht gesunken. Vielleicht ein Indiz für eine Trendwende. Bisher hatten stagnierende Umsätze und gleichbleibende Preise den Markt für hochwertige klassische Automobile gekennzeichnet. Mehr als 1370 Autos wurden für insgesamt 370 Mio. Dollar versteigert. Sie erzielten einen Durchschnittspreis von 95.000 Dollar, 5.000 mehr als 2017. Doch der HAGI-Index für klassische Automobile weist auch im August ein eher durchwachsenes Ergebnis aus. 

Achtung: Software bedingt kommt es vereinzelt zu Textpassagen, die da nicht hingehören. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

Traditionell trifft die edle Autowelt im August im südlichen Kalifornien. Ein Mal um zu sehen und gesehen zu werden, und am liebsten, um seine schöne Autos zu präsentieren. In diesem Umfeld präsentieren die großen Auktionshäuser Pretiosen und hoffen auf schlagzeilenträchtige Rekordergebnisse, die im Rest des Jahres die Geschäfte ankurbeln sollen. 

In aller Munde war natürlich der Ferrari 250 GTO von 1962, der einem Bieter  48,5 Mio. Euro wert war, der höchste Preis, der je für ein Automobil bei einer Versteigerung erzielt wurde.  Bei Verkäufen jenseits des Auktionsgeschehen sollen schon Preise zwischen 50 und 60 Millionen Euro erzielt worden sein.  Das gewünschte Ergebnis blieb auch unter den Erwartungen von RM Sothebys: Die obere Grenze der Schätzung lag auch bei 60 Mio. Euro. 

Duesenberg69 Fahrzeuge überschritten die Millionengrenze zum Teil beträchtlich. Ein Duesenberg SSJ von 1935 ist mit 22 Mio. Dollar das teuerste jemeils versteigerte amerikanische Auto.

FORD GT

Die 10 Millionen Schallgrenze konnte ein 1966er Ford GT 40 nicht durchbrechen, er kam “nur” auf 9.795 Mio. Euro. Dollar. Von dem Le Mans Sieger, den Henry Ford bauen ließ, weil Enzo Ferrari seine Firma nicht an ihn verkaufte, gibt es mittlerweile drei unterschiedliche Generationen. Die neueste ist noch in Produktion.

300 SL 2,53 Mio

Auch 2,53 Mio. Dollar für einen 1963iger Mercedes 300 SL Roadster sind ein Rekordergebnis, das Auto wird sonst meist um mindestens rund eine Mio. Euro weniger gehandelt. Der Wagen stammt aus der letzten Produktionswoch. Die Wagen sind besonders beliebt, weil sie u.a. über Scheibenbremsen verfügen. Und die sind bei dem 210 PS starken Dreiliter-Sechszylinder eindeutig von Vorteil. Ob das aber gegenüber den älteren Modellen einen Preisunterschied von etwa 500.000 Euro ausmacht, sei dahingestellt. 500.000 Euro weniger  kostete in Monterey allerdings ein zweiter 300 SL Roadster aus 1963, also auch ein Scheiben-Bremsen-Modell. 

300 SL Gullwing 1,95

Eigentlich ist der direkte Vorgänger, der 300 SL Flügeltürer, üblicherweise teurer als der Roadster. Seine nach oben öffnenden Türen sind nicht der Optik geschuldet, sie haben einen Funktion: Der Gitterrohrrahmen, auf dem die Karosserie ruhte, war zu hoch für einen normalen Einstieg.  Diesmal war der teuerste Wagen immer noch mit 1,87 Mio Dollar 50.000 Dollar preiswerter als der zweitteuerste Roadster. Den zweiten Platz machte hier ein Wagen, der 1,43 Mio. Dollar erzielte. Erwartet wurden wenigstens 1,5. Das sind übrigens die eher üblichen Preise für dieses Modell, für einen 1956iger gab sich der Verkäufer auch mit 1,1 Mio. Dollar zufrieden.

Diese Preisunterschiede haben viele Gründe, die mit Historie, Ausstattung, Zustand und selbst dem Kilometerstand zu tun haben. Niemand sollte deshalb denken, dass er für seinen Wagen garantiert den Preis bekommt, der auf einer Auktion aufgerufen wurde.

69 165000

Das sieht man auch an einem Mercedes 450 SEL 6.9 mit nur 19.000 km auf der Uhr, der sich in einem Neuwagenzustand präsentierte. Er brachte seinem Eigentümer sagenhafte 165.000 Dollar. Wenn man üblicherweise die 1 streicht, kommt man zu einem realistischen Preis. Und solche Autos haben einen schweren Haken. Ein Grund für den Wert ist der niedrige Kilometerstand. Anders gesagt: Jeder Meter, den man mit dem Wagen zurücklegt ist Gift für den Preis, den man später dafür erzielen könnte.

HAGI Chart August

Was in Pebble Beach so rosig scheint, gibt der empirische Test nicht her. Denn Auktionsergebnisse machen nur rund ein Drittel des Marktgeschehens aus. Wie oben abgebildet ist der HAGI TOP Index, der 50 repräsentativ ausgewählte Fahrzeuge und ihre Preisentwicklung anhand von realen Transaktionen misst, seit Jahresanfang in der Seitwärtsbewegung. Mal steigt er, mal sinkt er. Aber er dreht sich deFacto nur um die eigene Achse. Und die ist waagerecht. Das langjährige durchschnittliche Wachstum seit 1980 lag bei rund 13 Prozent. Das ist derzeit nicht im Bereich des Möglichen.

Drei verschiedene Teilindizes stellen dabei die mögliche unterschiedliche Entwicklung verschiedener Marken dar. Klassische Porsche (HAGI P) haben im August deutlich verloren, Ferrari konnten dafür deutlich zulegen, alle anderen Marken haben rund um einen Prozent verloren.

Der Mercedes-Benz Classic Index by HAGI, der sich substantiell von der HAGI-Index-Familie unterscheidet, tut dies aber im Ergebnis derzeit nicht. Er berücksichtigt Fahrzeuge der Marke, die auch in größerer Stückzahl gebaut wurden und mit einem niedrigeren Ausgangswert einbezogen werden. Hier geht es um die Darstellung der Wertentwicklung von allen wesentlichen Fahrzeugen, für die 33 verschiedene Modelle von den Vorkriegswagen bis zu den SL-Modellen der Siebziger und Achtziger ausgewählt wurden. Auch er bewegt sich in den vergangenen Monaten seitwärts. Verluste in einem Monat werden im nächsten kompensiert. Das ist kein schlechtes Zeichen.

Nach wie vor bewegen sich die Umsätze auf einem Niveau, wie es vor den Boomjahre 2012-14 normal war. Und gute Autos erzielen auch hohe Preise und werden verkauft. Trotzdem könnte der Markt in einer Deflationsfalle stecken. Denn einige Teilnehmer berichten von Kaufzurückhaltung in der Erwartung niedriger Preise. Und da könnten die positiven Pebble-Beach-Ergebnisse helfen. Denn bisher sind die Preise nicht gefallen, sondern nur nicht gestiegen.

Klassische Porsche gingen im Vergleich zum Vormonat um 2,97 Prozent zurück. Der Index rutschte so seit Jahresanfang deutlich ins Minus. Die repräsentiv gemessenen 12 Ferrari konnten um zweieinhalb Prozent zulegen, die im Index vertretenen anderen Marken nahmen um rund ein Prozent ab. 

Der Mercedes-Benz Classic Index by HAGI, der 33 Fahrzeuge der Marke umfasst, hat  im AUgust 0,75 Prozent im August zugelegt. Die Rekordpreise von Pebble Beach sind also nicht durchgeschlagen. 

Immer noch trifft ein großes Angebot auf eine geringere Anzahl von Interessenten. Die sind zögerlich, weil sie mit sinkenden Preisen rechnen. Doch die haben sich in den vergangenen Jahren auf einem Hochplateau bewegt.  Ob es zu stärker fallenden Preisen kommt, kann man nicht abschätzen. 

Grundsätzlich kann man mit der Marktentwicklung zufrieden sein. Die heiße Luft ist raus, ohne dass eine Blase hätte platzen müssen. Die Preise bewegen sich grundsätzlich seitwärts, wobei seltene Modelle mit Historie und in gutem Zustand immer noch gut verkaufen werden.

Ob mit Pebble Beach eine Trendwende eingeleitet wurde? Man wird sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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