HAGI-Indizes: Die Preiseentwicklung auf dem Markt für klassische Automobile bleibt uneinheitlich – Versprechen Emerging Classics eine Alternative?

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Die Normalisierung auf dem Markt für historische Automobile setzt sich fort. Nachdem der HAGI-TOP-Index im Vormonat leicht gestiegen war, fiel er nun um ein knappes Prozent zurück. Die Schwankungen sind aber bisher so gering, dass nicht von saisonalen Einflüssen gerechnet werden kann. Positiv entwickelt sich nach wie vor das Segment der “Emerging Classics, also der jüngeren Klassiker, auch wenn hier nicht die Preise in den Himmel wachsen.

Grund genug, sich mit diesem Segment ein wenig zu beschäftigen. Die Anzahl und der Wert klassischer Fahrzeuge sinkt beständig mit der Lebensdauer bis zu einem bestimmten Fahrzeugalter. Der Verband der der deutschen Automobilindustrie stuft dieses Alter mit zwischen 15 und 29 Jahren ein.

Fotos (von der Bremen Motor-Show und der Technoclassica) CARL CHRISTIAN JANCKE

Das ist aber nur ein Annäherunspunkt. Tatsächlich spielen auch in jüngerem Alter zwei Faktoren eine genauso wichtige Rolle: Die Seltenheit und die Emotion, die ein Auto weckt. Das hat dann auf Bestand und Wert einen positiven Einfluss. Autos wie der Mercedes SLS,  bestimmte Derivate des Porsche 997 oder der BMW Z8 und natürlich limitierte Supersportwagen sind klassische Beispiele.

Aber auch in den niedrigen Preisregionen lassen sich zeitverzögert entsprechende Entwicklungen beobachten. Mittlerweile sind die T-Modelle der 123er und 124er Baureihe an diesem Punkt angekommen. Die meisten starben den Gebrauchtwagen- oder Handwerkertod. Es lohnte sich einfach bei Fahrzeugwerten zwischen 0-3.000 Euro nicht die zu erhalten. Mit abnehmender “Survivor-Quote” und damit steigendem Wert verändert sich dann das Bild. Eine Revision lohnt sich plötzlich, der Wagen bleibt erhalten und die Möglichkeit des H-Kennzeichens winkt. Es kann sich also lohnen, wenn der Platz vorhanden ist, den ein oder anderen Alltagswagen einfach trocken wegzustellen und ab und an den Wagen zu bewegen.

Das gilt für alle Marken und Wagen. Derzeit vollzieht sich eine vergleichbare Entwicklung bei der zweiten Generation des BMW 7ers, dem E32 und auch bei der Mercedes S-Klasse der Achtziger Jahre, dem W126.  Diese Wagen können durchaus zweistellig im Wert gewinnen. Das merkt man auch an den Zulassungszahlen. Der Bestand an Klassikern über dreißig Jahre wächst kontinuierlich und das gilt auch für Wagen wie den VW Golf I, die seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gebaut werden.

Credits: Vivian Rheinheimer

Allerdings gibt es dort eine natürliche Grenze, die irgendwo zwischen 20.000 und 30.000 Euro für gut erhaltene Exemplare liegt, die nur in besonderen Fällen (Motorisierung/spezielle Version) überschritten wird. Generell zahlt man aber eben auch bei diesen Wagen hauptsächlich den Zustand. Eine handelsübliche Vollrestauration schlägt heute mit 100.000 Euro zu Buche. Erst darüber entwickelt ein Auto tatsächlich einen originären Wert aus sich heraus. Vorher ist der Zustand der Gradmesser für den Preis.

 

Für viele Liebhaber rechtfertigt der Wertzuwachs (zumindest oberflächlich) manche Investition. Ein preiswertes Hobby.

Zum Markt für hochwertige klassische Automobile: Klassische Porsche bewegen sich seitwärts, klassische Ferrari sind noch ein Prozent im Plus und alle anderen Marken wie Aston Martin oder der Mercedes 300 SL (W198) haben rund 2,5 Prozent verloren. Nachdem mehr als das halbe Jahr um ist, rückt die durchschnittliche jährliche Rendite von um die 10 Prozent in die Ferne.

Schaut man aber auf die vergangenen 10 Jahre, erscheint das auch nicht verwunderlich. Bis 2015 waren die Wertsteigerungen auf so hohem Niveau, dass sich selbst bei deutlichen Rückgängen allenfalls eine Normalisierung einstellt. Bisher gilt immer noch der alte Grundsatz: Gute Autos erzielen gute Preise.

 

 

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