Autokultur im Kalifornien-Style

Von GUIDO BELLBERG

Neulich sah ich ein paar Folgen der – enttäuschend langweiligen – TV-Umsetzung von „Jay Leno´s Garage“, der Youtube Show des beliebten Ex-Talkshow-Hosts. Dieses neue Format kann ich eher nur empfehlen, falls man unter Schlafstörungen leidet; die Fernsehsendung ist klischeehaft, langweilig und erstaunlich lieblos. Aber, und das ist ein großes aber, man bekommt einen guten Einblick in die fantastisch entspannte Autokultur Kaliforniens.

Ausgerechnet das politisch korrekteste Bundesland Amerikas, in dem es trotz Sonnenschein von besorgten Schneeflocken nur so wimmelt, könnte uns vielleicht als Vorbild dienen: Low-Rider, Muscle-Cars, alte deutsche Autos, Japaner, Hot-Rods – die Amerikaner lieben ihre Autos, egal, wo sie herkommen oder was sie gekostet haben. Jede noch so kleine Nische wird bedient und im Allgemeinen gilt vielleicht das Motto „Leben und leben lassen“.

 

Viel zu oft fahren wir Deutschen nur, wenn wir müssen, nicht mehr weil wir möchten. Der Verlust der Lebensfreude als Spätfolge der ökologisch-religiösen Konterrevolution der 1980er Jahre hat Spuren in unserer Seele hinterlassen und bei vielen Autoliebhabern zu einem dauerhaft schlechten Gewissen geführt. Dabei sind Umweltdiskussionen meist komplexer als es uns unsere Politiker, besonders auf der linken Seite, einreden wollen. Und überhaupt: Wieso sollten wir uns von jemanden, der fast wöchentlich  mit dem Flugzeug nach Brüssel pendelt etwas über Schadstoffe erzählen lassen? Fährt, zum Beispiel, Claudia Roth etwa seit Jahren mit dem Fahrrad in ihre türkische Ferienvilla?

Hat man das Glück in einer schönen Landschaft, die es auch in Deutschland zu Genüge gibt und die bestimmt nicht durch das Auto vernichtet wird, zu wohnen und außerhalb der Ballungsgebiete unterwegs zu sein, hat das Autofahren, genau wie das Fahrradfahren übrigens, etwas herrlich Entspanntes. Ein freiwilliger Umweg mit 80 km/h auf der Landstraße ist eine herrliche Abwechslung zu Innenstadt und Autobahn.

Autokultur kann auch im Kleinen zelebriert werden, abseits von Fanclub-Treffen, Ausstellungen oder Messen – so wichtig diese Veranstaltungen auch sein mögen. Eventuell sollten wir alle von Zeit zu Zeit einmal einen Gang herunterschalten, aus der Defensive kommen und das Leben einfach nur genießen. Glauben Sie mir, die Toskana-Fraktion, die sich gerade überlegt, welche Fahrverbote und Steuererhöhungen sie Ihnen als nächstes aufzwingen könnte, tut es auch. 

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