Der Grünen-Toni, ja er hasst das Auto

Von GUIDO BELLBERG

Anton Hofreiter hat ja bei den Grünen eine erstaunliche Karriere hingelegt. Erstaunlich deshalb, weil er eigentlich viel zu süß für den knallharten Politikbetrieb wirkt. Er hat so etwas niedlich-verschrobenes, so als sei er mit seiner langen, aber immer lichter werdenden, blonden Haarpracht geradewegs aus dem bayerischen Wald herausgewandert. Und zufällig in Berlin gelandet. Es gibt sicherlich unsympathischere Gestalten in der Politik, erst recht bei den Grünen. Umso erstaunlicher ist es daher, welch abgrundtiefen Hass der Herr Hofreiter gegen das Automobil in sich zu tragen scheint.

Ein Hass, der wohl nur verständlich wird, wenn man die quasi-religiösen Dimensionen, die der „Klimawandel“ – „Globale Erwärmung“ darf man ja nicht mehr sagen, weil das mit der Erwärmung, nun ja … – in diesem Politiker einzunehmen scheint. Sicher, ich kenne den guten Mann nicht, habe nie mit ihm persönlich gesprochen (was ich aber gerne nachholen würde) und so bleibt es eine reine Vermutung, aber sein Eifer hat etwas wirklich missionarisches und scheint nicht immer standfest in der Realität verwurzelt zu sein. Eher schon in der traditionellen bajuwarischen Religiösität, diesmal mit „Mutter Natur“ in der Mitte des Altars.

Im preussischen Berlin gab es vor ein paar Tagen wieder einmal eine Konferenz zu den Themen Mobilität und Zukunft. Dort behauptete der sympathische Bayer Hofreiter, dass Deutschland anderen Ländern bei der zukunftsfähigen Mobilität hinterherhinke. Nein, ich wusste auch nicht welche anderen Länder dabei gemeint sein sollen und schwankte zunächst zwischen Taka-Tuka-Land und Wakanda – aber Gott sei Dank stellte unser Lieblingsgrüner die Sache schnell klar. Was er meinte, waren die „vielen europäischen Länder und Städte“, die bereits ein klares Enddatum für den Verbrennungsmotor beschlossen hätten. Weil wir ja alle wissen, wie vorbildlich sich die anderen europäischen Länder an Beschlüsse halten.

Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber diskutieren, wie denn die bösen Motörchen in den meisten Autos „umweltfreundlich“ ersetzt werden sollen oder darauf hinweisen, dass es ernsthafte Zweifel gibt, dass wir überhaupt so viel Strom produzieren können, dass wir alle in Elektromobilen herumkommengondeln. Viel interessanter finde ich es dagegen, wie arrogant und elitär einige Politiker denken und agieren. Selbst wenn man sich keinen Jota für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert und vielleicht die Marktwirtschaft generell verachtet, müssten einem – nicht nur in Angesicht des Energiewende-Debakels – doch sofort ernsthafte Zweifel daran kommen, dass wir in absehbarer Zeit alle Krankenschwestern, Außendienstler und allein erziehenden Väter ohne Verbrennungsmotor dastehen lassen könnten.

Dabei bin ich noch nicht einmal ein fanatischer Fan von Verbrennungsmotoren, mir ist es im Prinzip vollkommen Wurst, womit mein Auto angetrieben wird, meinetwegen gerne mit einem müllbasierten Flux-Kompensator. Denn Fortschritt ist immer möglich und die Zukunft ungeschrieben. Woran ich allerdings keine Sekunde glaube ist, dass wir jemals in der absehbaren Zukunft einen Punkt erreichen werden, an denen ein führender Grüner oder linker Politiker mit unserer automobilen, individuellen Mobilität zufrieden sein wird. Wenn man genauer hinschaut – jedenfalls meine ich das, lasse mich aber gerne bekehren – kann man hinter all dem Geschwurbel über Zukunft, Klimaschutz und Europa immer ein wenig erkennen, worum es vielleicht in Wahrheit wirklich geht: Die Abschaffung des motorisierten Individualverkehrs im Allgemeinen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

Blog at WordPress.com.

Up ↑

%d bloggers like this: