Ferrari im Vollmond – ein Carfreitag fast ohne Autos

Von GUIDO BELLBERG

Hach, das war ein besinnlicher Karfreitag, bestimmt genauso, wie mancher Zeitgenosse es gerne bei mir gesehen hätte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich eigentlich auf der Suche nach dem Gegenteil war, denn ich wollte endlich auch einmal bei einem „Carfreitag“ dabei sein und ein Blick auf die örtliche „Tuning-Szene“ werfen. Der Nürburgring war viel zu weit entfernt, aber Autoverrückte gibt es ja von Nord bis Süd, man muss sie halt nur finden. Doch dies war gar nicht so leicht, denn auch nach 30 Minuten Internet-Recherche ergab sich kein Hinweis darauf, wo sich diese geheimnisvolle Szene trifft, jedenfalls in meiner Stadt.

Am Vorabend hatte ich noch mit dem Werkstattleiter telefoniert, der meinen neuesten Oldtimer betreut. Er selbst war zwar auch noch nie bei einem Carfreitag dabei gewesen, gab mir aber trotzdem einen Tipp und verwies mich zusätzlich auf Facebook. Auf Facebook selbst fand sich zwar unter dem richtigen Stichwort eine Seite, diese war aber schon ein Jahr nicht mehr gepflegt worden und redete nur vom Carfreitag 2017. Egal, ich lies es darauf ankommen, schnappte mir meine Herzensdame und fuhr in den vom Meister benannten „Einkaufspark“ einige Kilometer vor der Stadt. In dem wir dann 20 Minuten alleine herum schlichen, von anderen Autos, geschweige denn getunten, keine Spur.

Ein verlassener Einkaufspark vermittelt einen viel besseren Eindruck seiner eigentlichen Grüße als ein besuchter, das ist die erste, und vielleicht einzige, Lektion des Abends. Sehr amerikanisch, oder vielleicht eher niederländisch, denn als alte Rheinländer kenne ich die unästhetischen Ansammlung bekannter Marken, die sich in unserem Nachbarland gerne irgendwo im nirgendwo zusammenballen. Der Vorteil des entspannten Durchdiegegendfahrens: Wir hatten endlich einmal wieder Zeit uns in aller Ruhe zu unterhalten, dass hat ja auch etwas für sich.

Nachdem klar war, dass wir keineswegs auf eine Goldader aufregender Autos gestoßen waren, sondern tatsächlich nur auf ein geschlossenes Shopping-Dingsbums, fuhren wir im Anschluss zum zweiten Geheimtipp weiter, den ich mir selbst im Internet „erarbeitet“ hatte und bei dem es sich um eine Raststätte an einer Landstraße handelte, an der sich scheinbar hauptsächlich die US-Auto- und Motorrad-Szene traf. Allerdings war auch dieser Ort völlig verlassen, denn die mit den dicken Autos treffen sich dort immer samstags und eben nicht freitags, feiertag hin oder her.

Kein Problem, wir fuhren also in unserere Lieblingsbar um den Abend sanft ausklingen zu lassen und dort stand ein wunderschöner grauer Ferrari von einem ebenso hübschen Vollmond beschienen. Na, wenigstens ein anderer Autofan war in dieser Nacht unterwegs.

Aber nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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