Magnus Walker in HH: Der Elfer zieht immer noch, eigentlich erstaunlich.

Von GUIDO BELLBERG

Gestern Abend war ich in Hamburg bei der Buchpräsentation der deutschen Version von Magnus Walkers erfolgreichem Buch. Das ist der Mensch, der seit Jahren alte Elfer sammelt und sie gerne bunt anstreicht. Das macht er gut, und zwar so gut, dass über ihn vor Jahren bereits ein kleiner Film gedreht wurde, der sich rasch über die Welt und unter Autonarren verbreitete. Mittlerweile finden sich Walkers „Urban Outlaw“ Aufkleber sogar auf blitzeblank geputzen Land Rovern. Nun ja.

Aber Walker hat auch eine Art historischen „Verdienst“: Der Mann brachte zum erstenmal ein bisschen Duft nach Freiheit in die ansonsten eher von Anwälten und Betriebswirten beherrschte Welt alter Porsche 911. Einfach dadurch, dass er tat, was er machte und dabei er selbst blieb, befreite er das Auto von einem extrem spießigen Image, das ihm – zu Recht oder nicht – über Jahrzehnte angewachsen war. Das kann man einfach nicht schlecht finden. Er ist quasi der Rockstar unter den Autosammlern und ein sympathischer dazu.

Was jedoch erstaunlich war, war die schiere Anzahl der Menschen, die der Mann angelockt hatte, obwohl es doch eigentlich außer ihm selbst nicht allzu viel zu sehen gab. Kein einziges Walker-Auto war in Hamburg zu bestaunen, dafür die Autos seiner Jünger, die viel braver aussahen, als ich vermutet hatte. Beide.

Ein paar gepflegte F-Modelle, die übliche Anzahl mehr oder weniger gepimpter G-Modelle und sogar zwei 968er und – eigentlich ein No-Go in der Szene – ein Elfer-Cabrio.

Interessanter als die Autos waren ohnehin die Besitzer, die zu mindestens 70 % aus gut situierten, arrivierten Herren in teuren Jacken, die wahrscheinlich von den Gattinen ausgesucht worden waren, bestanden. So manch einer im Publikum wurde gar zynisch und ein Freund von mir meinte halb scherzhaft, dass Herr Walker mittlerweile etwas zu viele Aufkleber an seinem Volkswagen hätte.

Ich verstehe, was er meint und wie er darauf kommt. Aber man darf den Mann nicht mit seiner Zielgruppe verwechseln und selbst diese scheint vielfältiger als man auf den ersten Blick glauben mag. Da, ganz am linken Rand, stehen ein paar jüngere Männer mit Baseball-Kappen. Und einige Hardcore-Autofreaks sind auch gekommen, Gott sei Dank.

walkerfans

Und Walker? Der macht es genau richtig und ist britisch-nett zu jedem, arm oder reich, jung oder alt. Sympathisch. Später lässt er sich noch ausführlich von Helge Thomsen auf der Bühne interviewen, Helge ist dafür sicherlich genau die richtige Wahl.

Was bleibt? Soviel ich gehört habe, ist das Buch wirklich lesenswert und erfrischend ehrlich. Noch einmal, man darf den Mann nicht mit den Fans verwechseln.

Und: Der Elfer, zumal der alte, zieht immer noch, vielleicht mehr als jedes andere Automobil, in Deutschland. Die Gründe sind natürlich klar: Alte 911 waren noch nie wirklich günstig (auch wenn die Preisentwicklung des letzten Jahrzehnts sich so langsam zu beruhigen scheint), was die Zielgruppe einschränkt und elitär macht. Ein Magnus Walker würde unter Golf GTI-Fahrern oder Käfersammlern einfach nicht funktioniert. Es braucht ja gerade die Reibung zwischen oberschichtigen, hochpreisigen Fahrzeugen und dem sympathischen Selfmademan aus Sheffield. Sein unkonventionelles Leben hat sich, aus finanzieller Sicht, für ihn zum Guten gewandelt und nun steht er da mit einer Halle voller alter Elfer, ohne dass er dafür Jura studieren oder im Marketing arbeiten musste. Dass dies Bewunderung weckt ist verständlich und menschlich. Es riecht halt nach Freiheit wenn Magnus Walker im Spiel ist und das auf eine Art, die nicht spaltet, sondern vereint und auf alle Gesellschaftsschichten anziehen wirkt. Das ist nicht wenig und dafür muss man ihn einfach mögen.

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