Der Pawlowsche Reflex der Journaille: Das Auto ist schuld.

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Das Auto ist der Medienfeind Nummer eins. Wenn noch irgendwo das Wort Studie in einer Pressemitteilung und am besten noch das Wort Stiftung oder Institut vorkommt, schaltet der Journalist das Hirn ab, kopiert den Inhalt der Pressemitteilung und versieht ihn mit einer reißerischen Überschrift. Die Meldung der Süddeutschen von heute, den Staaten entgingen wegen zu hoher CO²-Werte Milliarden an KfZ-Steuern, ist ein kompletter Mumpitz. Das Kesseltreiben gegen das  verhasste Symbol der individuellen Freiheit und der sozialen Marktwirtschaft geht weiter.

Der Artikel hat alle Ingredenzien einer manipulativen Falschmeldung, wie man sie alltäglich überall zu lesen bekommt: Die Grünen im EU-Parlament haben ein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag gegeben. Die liegt der Süddeutschen “exklusiv” vor.  Das ist gut, so kann sie niemand anders lesen oder gar widerlegen. Der Gatekeeper verhindert durch Monopolisierung der Information deren Widerlegung und überhaupt jede Diskussion.

Die Studie kommt auch zu dem von den Euro-Grünen gewünschten Ergebnis:  60% der Autos in der EU emittieren mehr Schadstoff als angegeben und zahlen deshalb 11Mrd. Euro zu wenig KfZ-Steuern. In Deutschland sind es 1,2 Mrd. Euro, die dem Fiskus entgehen sollen. Schuld – ganz klar – die Deutsche Autoindustrie.

Doch leider ist das eine Falschmeldung.  Das müsste eigentlich auch Sven Giegold wissen, ehemals im Koordinationsrat der neomarxistischen NGO Attac und seit einiger Zeit prominenter Kapitalismuskritiker  als grüner Abgeordneter im europäischen Parlament. Bundesweit bekannt wurde er als Steuer- und Finanzmarktexperte während der Finanzmarktkrise, die er dafür nutzte, die Tobin-Steuer, eine Finanztransaktionssteuer, die auf alle internationalen “Spekulationen” erhoben werden soll, zu promoten. Der Mann weiß als Ökonom und Steuerexperte genug, so dass er als vorsätzlicher Lügner überführt gelten muss.

Denn die Besteuerung richtet sich in Deutschland nicht nach dem tatsächlichen CO²-Verbrauch sondern nach der Schadstoffklasse und dem Hubraum. Und das hat einen guten Grund.

Die Schadstoffklasse wird auf einem Rollenprüfstand übermittelt. Dabei geht es nicht um den absoluten Verbrauch oder die tatsächlichen Emissionen in der Realität. Sondern um reproduzierbare Ergebnisse und deren Vergleichbarkeit. Und die Hersteller haben ihre Autos für diese Tests “optimiert”. Weil in der analogen Welt alle schmale Reifen montierten oder Leichtlauföl einsetzten und das Auto mit einer Ausstattung lieferten, die möglichst wenig zusätzliche Verbraucher wie etwa eine Klimaanlage oder ein Soundsystem, herrschte Waffengleichheit.

Und die in der digitalen Welt mögliche elektronische Steuerung war nicht vorgesehen. Sie änderte aber am Wesen der Vergleichbarkeit nichts. Und die Autos wurden trotzdem immer sauberer. Die Emissionen gingen und gehen weiter zurück.

Es ist also eine Mär, dass die böse Autoindustrie “geschummelt” habe.  Weil niemand “Abschalteinrichtungen kannte, konnten die auch nicht verboten werden. Und die geforderten Emissionsreduzierungen machten einen immer höheren konstruktiven Aufwand erforderlich.

Die Autos der Normen 4-6 sind sauberer als ihre Vorgänger. Und die Werte sinken stetig. Giegold geht es aber nicht um die saubere Luft sondern um die Diffamierung des Autos und noch mehr um deren Hersteller. Denn Industrie ist Kapitalismus, beutet die Arbeiterklasse aus und ist von Übel. Dass der üble VW-Konzern gerade wegen übermäßigem Erfolg seinen Mitarbeitern pauschal mal so 4.000 Euro Gewinnbeteiligung zahlt, ist nach Auffassung des Ökosozialisten bestenfalls Gutsherrnart.

Erst seit September 2017 sind die so genannten Real-Drive-Emissions wesentlich für die Zuteilung der Schadstoffnorm EU6d. Sie ermitteln auf der Straße die vermeintlich echten Schadstoffe. Und geben dafür die wissenschaftlichen Kriterien der Vergleichbarkeit und der Reproduzierbarkeit auf.  Willkür statt Laborbedingungen.

Dass die Meßwerte auf dem Prüfstand blanke Theorie waren, wusste jeder seit der Einführungen der Publizierungspflicht der Verbrauchsangaben, die nach den selben Kriterien ermittelt wurden. Spätestens nach dem ersten Tankstopp mit dem neuen Auto. Trotzdem tobt ein Kulturkampf um die vermeintlich falschen Meßwerte.

Giegold weiss, was er tut. Täuschen und tricksen gehört seit jeher zur Praxis des ökologisch-industriellen Komplexes. Das Problem liegt darin, dass vermeintliche Qulitätsmedien einer solchen Studie voller Falschbehauptungen scheinbar auf den Leim geht. Tatsächlich kann der investigative Redakteur der selbsternannten Qualitätspresse kaum so dumm sein.  Der Rechercheaufwand, die so genannte Studie als Gefälligkeitsgutachten zu entlarven, wäre minimal. Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.

Das alles wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Der rot-grüne Gesinnungsjournalismus trachtet dem Motor der deutschen Industrie und der selbst nach dem Leben: Dem Automobil. Es wird Zeit,dass wir das denen nicht mehr durchgehen lassen.

 

 

 

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