Abgasskandal oder nicht? BMW bleibt hart …

Von GUIDO BELLBERG

Für Außenstehende ist es manchmal schwer zu erkennen, welche Gefechte wirklich dem Umweltschutz dienen und welche nicht – übrigens nicht nur auf Seiten der Hersteller. Gerade weil die Glaubwürdigkeit auf allen Seiten angegriffen scheint, wird mit besonders harten Bandagen gekämpft: Behauptungen, Gegendarstellungen, Abmahnungen – schön anzusehen ist das alles nicht und ob es das Vertrauen der Verbraucher wiederherstellt, darf auch bezweifelt werden.

Gerade die deutschen Hersteller stehen massiv in der Kritik, Volkswagen hat auch im eigenen Land die letzten schlafenden Hunde geweckt. Danach wurde Audi kritisiert, weil bei seinen V6-Motoren Messwerte abwichen und natürlich wird auch auf Mercedes und BMW mit der feinen Lupe geschaut. Zu Recht.

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2017 präsentierte BMW-Chef Krüger das neue Flagschiff: den 8er.

Glaubt man dem ADAC, sind aber ausgerechnet die viel gescholtenen deutschen Herstellern mit ihren Dieselmotoren was den Stickoxidausstoß betrifft, wesentlich „sauberer“ als die Autoproduzenten aus dem europäischen Ausland und aus Fernost. Da kann man schon auf den Gedanken kommen, dass es bei aller berechtigten Kritik, nicht nur um die Umwelt geht.

Die Deutsche Umwelthilfe, über die in den Medien schon viel gesagt wurde, biss zuletzt bei BMW auf Granit. Nach massiver Kritik der selbsternannten Umweltschützer, die übrigens keine offizielle Behörde sind, wie mancher glaubt, prüfte Anfang 2018 schließlich das Kraftfahrtbundesamt die Vorwürfe, BMW manipuliere Abgaswerte bei Dieselmotoren. Der monierte 320d der Münchner war als Ergebnis „unter normalen Betriebsbedingungen nicht zu beanstanden“.

BMW feuerte, im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern, im Anschluss massiv zurück: Am 17.2.2018 zitierte die FAZ den Vorstandsvorsitzenden Harald Krüger : „Wir geben unseren Mitarbeitern, Kunden und der Politik eine glasklare Botschaft mit: Die BMW Group baut die saubersten Dieselmotoren der Welt“ und weiter „Wer einen BMW kauft, kann sich darauf verlassen, dass unsere Fahrzeuge nicht manipuliert sind. Das hat eine Vielzahl behördlicher Nachprüfungen weltweit immer wieder belegt“.

Drei Tage später, am 20.2.2018 äußert sich BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich im Focus: “Die KBA-Testergebnisse zeigen in aller Deutlichkeit: Das geprüfte Fahrzeug wurde nicht manipuliert. Das Vorgehen der DUH halten wir deshalb für unseriös und ohne jegliche Aussagekraft.“

Selbstverständlich antwortete die Deutsche Umwelthilfe umgehend, die Sache ist also noch längst nicht vom Tisch. Die Verunsicherung der Verbraucher hält an und die Meinung, dass Dieselmotoren vielleicht – völlig unabhängig vom Ausgang dieses „Skandals“ – eigentlich Schnee von Gestern sind, zeigt sich nicht zuletzt an den Absatzzahlen.

Manch ein Beobachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier um eine Technologie gestritten wird, die viele Autofahrer in Wahrheit schon gar nicht mehr interessiert. Nicht vergessen sollte man aber, dass es bei BMW um viel mehr geht als nur einen Dieselmotor: Das Image der Marke, die Glaubwürdigkeit des ganzen Konzerns sind angegriffen worden und man setzt sich entsprechend zu Wehr. So viel Selbstbewusstsein ist wohltuend und nicht zuletzt unterhaltsam. Man darf aber gespannt sein, ob einzelne Schlachten in Krieg um den Diesel am Ende an dessen Schicksal etwas ändern werden.

Guido Bellberg arbeitet als freiberuflicher Journalist und schreibt jeden Donnerstag für DIE WELT auf welt.de über Auto- und Verkehrsthemen.

Fotos: Carl Christian Jancke

 

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