Bremen Classic Motorshow: Mehr als 10 Prozent weniger Besucher – Anzeichen einer Krise?

5.000 zahlende Besucher weniger, das scheint auf den ersten Blick ein Alarmzeichen für die Akzeptanz klassischer Automobile. Doch er übersieht, dass in den letzten Jahren aus drei deutschen Klassiker-Messen viele geworden sind. Nicht nur in Essen, Stuttgart und eben Bremen sondern neuerdings auch in Hamburg, Berlin, Köln und Nürnberg öffnen Messegesellschaften ihre Tore. Vielleicht ein wenig zuviel? Und außerdem würde niemand eine Krise der IT-Branche konstatieren, nur weil seit Jahren die CeBit schwächelt.

Eine leichte Verunsicherung war trotzdem auf den Gängen und Empfängen zu konstatieren. Autonomes Fahren, E-Mobilität und blaue Plakette werfen ihre Schatten voraus.  Und Abmahnvereine wie die “Deutsche Umwelthilfe” ihren Schatten darauf.  Eingedenk der explodierenden Veranstaltungen und Rallyes kann der ein oder andere Anwohner auch gerne mal ein Wochenende ohne laut hupende Oldtimer oder laut brabbelnde Achtzylinder leben bei der Ortsdurchfahrt leben.

Denn wen man klagt, dann tut man es auf hohem Niveau. Mindestens 16 Mrd. Euro werden mit dem klassischen Automobil alleine nach einer Bosch-Studie umgesetzt. Und die Zahl ist schon ein paar Jahre alt. Ob dabei alle über Ebay gehandelten Ersatzteile einbezogen sind, mag bezweifelt werden, auch weil vieles, was hier Wertschöpfung schafft unter dem Stichwort Nachbarschaftshilfe oder Freundschaftsdienst läuft.

Trotzdem: Alte Autos sind nicht nur ein Sympathieträger sondern ein Wirtschaftsfaktor und genauso sinnvoll oder sinnlos wie viele andere Hobbies. Aber die manchmal bierernste Vereinsmeierei der unterschiedlichen Verbände und Organisationen sollte darauf achten, nicht nur im Hinterzimmer über das H-Kennzeichen zu debattieren. Das ist auch wichtig, aber eben nicht nur. Und die nächste Generation der Petrolheads in den sozialen Netzwerken suchen und begeistern.  Bei Motortalk, Drivetribe, Facebook und Instagram teilen viele schon heute förmlich ihr Hobby. Und da sind die Jungen und auch jung gebliebenen, die das Thema individuelle Mobilität gerne als fahrbare Visitenkarte als “daily driver” nutzt.

Auch die Vermutung, die Szene würde überaltern, entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht als empirisch belegt. Denn auch den Einstieg in den als Gebrauchsklassiker gehaltenen Drittwagen gelingt vielen zeitlich und finanziell erst, wenn die Kinder aus dem Haus und von der Pay-Roll sind. Und da ist man dann meist schon über fünfzig.

Wenn also kein Grund zur Panik besteht, so sollte man seine Augen nicht vor den unleugbaren gesellschaftlichen Entwicklungen verschließen. Seit Aufkommen der Grünen haben die Ökosozialisten das Auto als Gegner Nummer eins erkoren, weil es alles symbolisiert, was eine offene Gesellschaft ausmacht: Die Individualität, Das Eigentum, die Dynamik und die Freiheit, dem diktatorischen Diktat des öffentlichen Nahverkehrs zu entfliehen und spontan aus der Reihe zu fahren.  Der renommierte Ökonom Carl Christian von Weizäcker hat schon vor mehr als dreißig Jahren auf anderthalb Seiten beschrieben, wie Innovationen die Freiheit des Konsumenten erhöht hat: Das Telefon, mit dem ohne Ortsbindung Informationen eingeholt werden können (das heute durchs Internet ersetzt wurde), der Kühlschrank, der die Lagermöglichkeiten vervielfacht und das Automobil, das den unabhängigen Transport ermöglicht. Und das gilt noch immer: Auch wenn der Wagen jetzt von DHL kommt.

Was sich geändert hat: Das Auto, nicht nur der Klassiker, braucht unsere Fürsprache. Wenn wir uns unsere mobile Freiheit erhalten wollen, müssen wir etwas dafür tun und nicht darauf vertrauen, dass die Dinge sich schon richten. Wie die offene Gesellschaft hat es auch viele Feinde, weil es das Symbol für Mobilität und Dynamik in ihr ist.

Natürlich dürfen wir dabei nicht nur auf Stammtische und Vereinspostillen setzen oder das zweifelsohne vorhandene Expertenwissen in den Clubs. Wer sich heute für ein bestimmtes Mobil interessiert, findet eben auch bei Facebook, Drivetribe, Motor-Talk oder anderen Plattformen Ratgeber und Unterstützer.

 

 

 

 

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