Bremen Classic Motorshow: Das Borgward-Syndrom

von CARL CHRISTIAN JANCKE

Bremen als Automobilstandort hat Tradition. Einst liefen hier Hansa, Goliath und Borgward vom Band. Die ersten sind längst in Vergessenheit geraten. Und der Glanz der Marke Borgward ist verblasst. Auch wenn gerade ein neues Auto aus China diese Marke ziert, kommt das doch eher einer Entwertung gleich, wenn man an die Eleganz der Borgward Isabella aus den Fünziger Jahren denkt. Eine Vorläufer einer langfristigen Entwicklung. Beim zufälligen Gipfeltreffen der Gutachter-Päpste Norbert Schröder (TÜV Rheinland) und Martin Stromberg auf dem Classic DATA Stand herrschte weitgehend Einigkeit.  20180203_115206[1]

Für den Fachmann sind Messen die Gelegenheit, sich auszutauschen. Wenn bei Classic Data dazu auch noch ein Fiege Pils gereicht wird, wird die Kehle nicht trocken.

Es ist ganz offensichtlich, dass der Klassikermarkt sich im Umbruch befindet. Und dass die Preise nicht länger in den Himmel wachsen. Das weist der HAGI-Index der Historic Automobile Group International nach.

HAGI Dezember 2017

HAGI TOP: 50 Fahrzeuge aller Marken, HAGI-P Index: 14 Fahrzeuge der Marke Porsche, HAGI TOP ex P&F, 24 Fahrzeuge aller anderen Marken: HAGI MBCI Index: Mercedes-Benz Classic Index by HAGI, S&P Global 1200 (Standard&Poors Aktienindex als Vergleichswert)

Die Preise für hochwertige Klassiker aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren steigen nicht mehr, sondern stabilisieren sich auf hohem Niveau. Und das Angebot übersteigt bei weitem das Angebot. Dass der Mercedes-Benz-Classic Index mit 8,72 Prozent gestiegen ist, hat er den “Emerging Classics” zu verdanken.

Das Segment umfasst Fahrzeuge wie den 450 SEL 6.9 (W116), die 500/560 SE, SEL und SEC, den 300 SL (R107), 500 SL (R107) oder das 320 CE Cbrio und Coupé. Und hier steigen die Preise nach wie vor zweistellig, während es um die Vorkriegsautos eher ruhig wird. “Selbst ein 500K A Cabrio ist kein Selbstgänger”, sagt Schröder.  “Und die Engländer aus den Sechziger Jahren von Triumph und MG spielen bei stagnierenden Preisen auch keine Rolle mehr. ”

Beide machen einen einfachen Grund für dieses Phänomen verantwortlich: Jeder Klassiker-Fan schwärmt uneingeschränkt für die unerreichbaren Träume seiner Jugend. Oder die Alltagsautos, auf deren Rückbank er eben diese verbracht hat. Und so werden BMW 6er und der 7er (E32) zunehmend nachgefragt und die Preise steigen auch auf niedrigem Niveau. “Du kriegst heute keinen Youngtimer mehr für 900 Euro mehr.” so Stromberg. Unter diesem Begriff versteht man üblicherweise Fahrzeuge aus den aus jüngeren Jahren, die man auch noch auf den Kiesplätzen findet. Dabei spielen natürlich auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Denn auch wenn die Preise für Wagen wie den BMW 8er, den Porsche 928 oder den Audi Ur-Quattro steigen, sind sie doch immer noch erschwinglich im Vergleich zu Fahrzeugen wie allen 911er-Derivaten oder den Mercedes SL (Pagode), für die man schon sechsstellige Beträge anlegen muss.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass gerade die “Emerging Classics” eine Chance sind, seinen guten, individuellen Geschmack im automobilen Einheitsbrei des Alltags unter Beweis zu stellen.

Der Autor ist Analyst für die deutschsprachigen Märkte bei der Historic Automobile Group International.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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